Teil 4 Kluge Strategien zur Wiedererteilung eines EU Führerschein im Ausland

Im Teil 1 gaben wir Ihnen einen grundsätzlichen Umriss über die Entziehung und Wiedererteilung einer in Deutschland erlangten Fahrerlaubnis und die oft schwierigen komplizierten und langwierigen Vorschriften.

 

Im Teil 2 erfuhren Sie mehr über die Möglichkeiten einer sogenannten ausländischen Fahrerlaubnis / EU Führerschein und deren Nutzung in Deutschland, sowie die damit verbundenen Chancen.

 

Im Teil 3 beleuchteten wir die Unterschiede bei Fahrverbotssperren und Entzug der Fahrerlaubnis in Deutschland im Vergleich zu England ein wenig näher.

 

Hier im Teil 4 möchten wir Ihnen nun abschliessend die verschiedenen Strategien aufzeigen, die zu einer erfolgreichen Wiedererteilung eines EU Führerscheins im Ausland führen können.

Im letzten Punkt unserer Reihe möchten wir von Blackpearl Business Partners Ihnen verschiedene Strategien aufzeigen, wie Sie Ihre Mobilität mit einem EU Führerschein aus einem anderen EU Mitgliedsland  wiedererlangen können.

Da wir von Blackpearl Business Partners ausschließlich in England (UK) tätig sind, beschreiben wir hier die Besonderheiten vor Ort in England. Diese Bestimmungen dürften jedoch auch für alle anderen EU Mitgliedsstaaten gelten, da diese im EU Recht verankert sind.

Grundsätzliches zum Thema Fahrverbotssperre (engl. Disqualification):

Haben Sie beispielsweise in Deutschland eine Fahrverbotssperre, so gilt diese Fahrverbotssperre nur in Deutschland. Das heißt Sie sind berechtigt, in jedem anderen Land trotz dieser Fahrverbotssperre zu fahren - vorausgesetzt, Sie haben einen gültigen Führerschein.

Wesentliche Voraussetzung ist also, dass Ihre Fahrerlaubnis gültig ist. Gültig ist diese immer dann, wenn sie von der jeweiligen ausstellenden Behörde des ausstellenden Landes nicht entzogen bzw. widerrufen (engl. revoked) wurde.

Als kleiner Tipp am Rande sei deshalb vermerkt, dass die Nutzung eines ausländischen Führerscheins in Deutschland immer auch den großen Vorteil mit sich bringt, dass dieser Ihnen nicht so einfach „abgenommen“ werden kann.

Grundsätzliches zum Thema Entzug der Fahrerlaubnis (engl. Revokement):

Der Widerruf bzw. Entzug einer Fahrerlaubnis kann im Allgemeinen nur von der jeweiligen ausstellenden Behörde des ausstellenden Landes angeordnet werden. Das heißt zunächst, dass eine deutsche Behörde nicht berechtigt ist, eine englische Fahrerlaubnis zu widerrufen oder zu entziehen, genauso wenig wie eine englische Behörde nicht berechtigt ist, eine deutsche Fahrerlaubnis zu widerrufen. Was die jeweilige Behörde bei vorhandenem ausländischen Führerschein anordnen kann, ist ein nationales Fahrverbot.

Passiert jedoch der Tatbestand, dass die ausstellende Behörde des ausstellenden Landes Ihren Führerschein widerruft bzw. entzieht, heißt dies im Klartext, dass Sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sind, ganz egal in welchem Land Sie diesen nutzen möchten. Würden Sie also mit einem entzogenen Führerschein aus Deutschland zum Beispiel in Italien beim Fahren kontrolliert werden und finden die dortigen Behörden dies heraus, dann ist dies genauso „Fahren ohne Führerschein“ wie in jedem anderen Land auch.

Was passiert nun, wenn Sie einen deutschen Führerschein in England wiedererteilen lassen wollen?

Haben Sie einen gültigen (oder noch gültigen), d.h. heißt nicht (oder noch nicht) entzogenen / widerrufenen Führerschein, dann ist das relativ unproblematisch. Spätestens nach Ablauf der Fahrverbotssperre können Sie diese Fahrerlaubnis in eine englische umschreiben lassen (vorausgesetzt, Sie erfüllen die Wohnsitzerfordernisse). Mit der englischen Fahrerlaubnis können Sie dann in nahezu jedem Land der Welt fahren (und im EU Raum sowieso).

Problematischer gestaltet sich die Situation immer dann, wenn der Führerschein in Deutschland entzogen / widerrufen wurde und Sie eine Wiedererteilung in England haben möchten, um beispielsweise das Thema MPU zu umgehen.

In diesen Fällen wird auch die englische Behörde recht häufig nach Prüfung Ihrer persönlichen Angaben und Daten zunächst einmal davon ausgehen, dass Sie derzeit nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sind und somit auch keinen gültigen Führerschein haben, den Sie ohne weiteres in einen sog. UK Führerschein umtauschen lassen können.

Um dies herauszufinden, macht die englische Behörde DVLA bei der Antragstellung vor der Bewilligung eines englischen Führerscheins stets eine Abfrage beim KBA, um herauszufinden, ob Sie tatsächlich auch im Besitz der von Ihnen beantragten Führerschein Klassen waren.  Übermittelt daraufhin das KBA die Information „die angefragte Person ist nicht im Besitz einer gültigen deutschen Fahrerlaubnis“ (eng. „the person is not holder of a valid German driving licence“), geht die DVLA davon aus, dass möglicherweise hier etwas nicht mit Ihrem Antrag stimmt. Das mag zwar zunächst wie eine Katastrophe klingen und den Traum vom englischen Führerschein scheinbar zum Platzen bringen – dennoch ist auch dies lösbar, wenn auch mit etwas mehr Aufwand.

Vier mögliche Strategien bei der Wiedererteilung eines in Deutschland entzogenen Führerscheins in England:

Es gibt der Regel 4 Haupt - Strategien, die bei der Erteilung eines EU Führerscheins aus England zum Ansatz kommen können. Welche die richtige ist, kann man jedoch von vorneherein nicht sagen, da die Entscheidung einzig und alleine sowohl von der individuellen Prüfung und Beurteilung der englischen Führerschein Behörde (DVLA), als auch von der Meldung des deutschen Kraftfahrtbundesamtes KBA an die englische Behörde abhängt.

Strategie 1

Die deutschen Entzugs- / Widerruf Gründe sind in England nicht relevant.

In diesem Falle geht eine Wiedererteilung relativ problemlos und die Beibringung von KBA Auszügen bzw. Auszügen den jeweiligen Führerschein Behörde (eventuell noch übersetzt) reichen aus, um damit einen neuen Führerschein in England wiedererteilt zu bekommen.

Strategie 2

Die deutschen Entzugs-/ Widerruf Gründe sind auch in England relevant.

Insbesondere bei Trunkenheitsdelikten, manchmal auch Drogendelikten sieht die englische Behörde die Entzugs-/ Widerruf Gründe der deutschen Behörden auch für England als relevant an und lehnt eine problemlose Wiedererteilung ab. Die Engländer sehen Ihre Beantragung auf Wiedererteilung natürlich unter der Absicht, dass Sie nun Ihre Interessen hier in England haben und dort vor Ort natürlich auch Auto fahren möchten.

In diesem Falle ist der Weg zu einem englischen Führerschein dann oft etwas anders einzuschlagen und erfordert zudem ein ärztliches Untersuchungsgespräch (inkl. Blutabnahme). Anders als die deutsche MPU, die meistens mindestens 1 Jahr dauert und mit erheblichen Aufwendungen, Kosten und Risiken verbunden ist, ist dieses Beratungsgespräch (in England durch einen DVLA zugelassenen Arzt in London) nach ca. 60 -  90 min erledigt und kostet etwa 90 - 120 Pfund (ca. 130 – 150 Euro).

Strategie 3

Die deutschen Entzugs-/Widerruf Gründe sind auch in England deutlich relevant.

Wir stellen oft fest, dass dies insbesondere bei relativ schwerwiegenden Trunkenheit Delikten oder Mehrfachvergehen der Fall ist. Dann betrachtet die englische Behörde DVLA Ihren deutschen entzogenen Führerschein ebenfalls als endgültig entzogen (und somit auch nicht wieder erteilbar) und fordert einen Antrag auf Neuerwerb. Das heißt dann, Sie müssen dann eine schriftliche und praktische Prüfung hier in England machen, jedoch bleibt Ihnen jegliche MPU erspart.

Bitte beachten Sie jedoch auch:

Selbst wenn Ihnen der Führerschein in Deutschland entzogen wurde und Sie eine MPU Auflage haben und Sie sich für einen Neuerwerb in Deutschland entscheiden würden, würde die MPU Auflage nach wie vor von Ihnen gefordert werden!

Strategie 4

Die deutschen Führerscheinbehörde hat die deutsche Fahrerlaubnis entgültig entzogen.

Dann bleibt schlicht und einfach gesagt nur der Weg über den Neuerwerb. Es kann nichts wiedererteilt werden, was nicht mehr vorhanden ist.

Kann man die richtige Strategie von vorne herein erkennen?

Eine Einschätzung der richtigen Strategie im Vorfeld ist meistens nur sehr schwer möglich.

Laut unserer Erfahrung der letzten Jahre wurde in der Tat jeder Fall durch die englische Behörde DVLA individuell geprüft und oft auch völlig unterschiedlich entschieden. Eine wesentliche Voraussetzung war hierbei jedoch nahezu immer die Meldung des deutschen Kraftfahrtbundesamtes KBA. Fiel diese Meldung zu Gunsten des Betroffenen nicht zu schlecht aus, war eine Wiedererteilung oft kein grosser Akt. Fiel die Meldung jedoch negativ aus, gab es stets grosse Schwierigkeiten bis hin zu unwiderruflichen Ablehnungen. Für den Betroffenen blieb dann in der Regel nur der Weg eines Neuerwerbs oder der harte und steinige Gang durch die deutsche MPU.

 

Unsere ehrliche Empfehlung

Es wird bezüglich Wiedererteilung von Führerscheinen im Ausland unheimlich viel im Internet geschrieben, es wird viel behauptet, es wird auch viel Unsinn geschrieben. Das macht es aus unserer Sicht für den Betroffenen sehr schwer, sich ein vernünftiges und klares Bild zu machen.

Ebenso wird in dieser Sache viel vor Gerichten gestritten, es wird ermittelt, behauptet, beschuldigt und so weiter und so fort.

Fakt ist, dass die deutschen Behörden oft glauben, sie wären immer im Recht und das, was in der EU sonst noch so passiert, ist im Vergleich zur "deutschen Ordnung und Gründlichkeit" eh nicht viel wert. Das ist, war und bleibt ist leider diese seltsame deutsche Eigenart, die nicht unbedingt die internationale Beliebtheit fördert, auch heutzutage nicht. Und schlimmer noch, selbst die eigenen Bürger werden auch bei geringen Vergehen hart abgestraft, Führerschein Angelegenheiten bleiben bis zu 15 Jahre aktenkundig, man fühlt sich oft, als wäre man von vorne herein ein Schwerverbrecher, wenn man mit den deutschen Behörden zu tun hat.

Wir kennen Fälle, in denen Bürger jahrelang mit irgendwelchen Behörden herumstritten und von einer Instanz zur anderen marschierten bis sie dann nach Jahren kraftlos aufgegeben haben und resignierten. Das ist eben auch eine Strategie, die Behörden sehr gerne unternehmen, denn zeitlich sitzt der deutsche Beamte immer am längeren Hebel, hat seine gemütliche Arbeitszeit (bzw. viel Zeit) und er hat ja auch keine Kosen zu tragen, dafür gibt es ja die Staatskasse (bzw. Ihre Steuergelder). Und es ist ihm völlig egal, ob Sie Ihren Führerschein zur Existenzsicherung brauchen oder nicht.

Und leider werden die Verfahren und Vorgehensweisen immer komplizierter. So, wie Sie es von der deutschen Steuergesetzgebung, vom Vertragsrecht usw. usw. kennen.

Wenn Ihnen das alles zu blöd, frustrierend und kompliziert erscheint, dann sollten Sie eigentlich immer eher den Neuerwerb als die Wiedererteilung in Betracht ziehen, es sei denn, die Wiedererteilung ist ganz klar und eindeutig umzusetzen. Damit hebeln Sie die gesamte oben genannte Geschichte einfach aus. Ein Neuerwerb ist zeitlich betrachet dann oftmals sogar wesentlich kürzer als eine Wiedererteilung.

Und wenn Sie Ihren neuen Führerschein dann in der Tasche haben, dann kann Ihnen der ganze oben genannte Hokuspokus egal sein. Und Sie sind auf der sicheren Seite, wenn etwas passiert.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unserer 4 teiligen Serie einen guten und vor allen Dingen auch sachlichen Überblick über die Möglichkeiten, die Chancen und natürlich auch die Risiken bei der Wiedererteilung einer EU Fahrerlaubnis im Ausland, speziell in England, geben konnten.

Downloads zum Thema:

Ueberblick Driving Licences UK
Ueberblick D100 Driving Licences UK.pdf
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